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Lebensszene(n)

Lebensszene(n)

Ihr herbes, viel zu starkes Blumenparfum breitet sich bereits aus, als sie einsteigt und das abgezählte Kleingeld vernehmlich klimpernd auf die Kasse des Busfahrers fallen lässt. Ihre herabhängenden, rot geschminkten Lippen bilden einen grellen Akzent zum blassen Hosenanzug und der angegrauten Dauerwelle. Sie ist 60, vielleicht 70, und um ihre Brille herum sitzen unzählige tiefe Falten.

Noch sind viele Plätze frei. Ein Lachen und Murmeln erfüllt den Bus, gänzlich ausgefüllt von Hanydgesprächen, Gekicher und Musik. Sie blickt sich um, mit leeren, verengten Augen und lässt sich besitzansprechend neben ein vielleicht sechzehnjähriges Mädchen mit kastanienbraunem Haar fallen. Ihr Blick streift die Überschrift und das Schulmädchen, das beinahe verkrampft seinen grünen Ranzen umklammert.

"Behindertenplatz ... wieso müssen immer die jungen Dinger auf den BEHINDERTENPLÄTZEN sitzen?"
Ihre Hoffentlich-hört-man-es-auch-bis-in-die-hintersten-Reihen-Stimme ist laut und unangenehm, süßlich wie verdorbene Erdbeermarmelade.

"Jaja, die gute alte Zeit ... da hatte man noch Respekt vor den Alten." Sie schüttelt ihr graues Haupt. "Jaja, die gute alte Zeit, da standen die Jungen auf, wenn die Alten einsteigen wollten."

Ihr Blick trifft sich im Spiegel mit dem des afroamerikanisch aussehenden Busfahrers. Sie zieht eine Augenbraue hoch.

"Jaja, früher, da haben wir den kleinen Negerkindern noch das Essen gegeben, das wir übrig hatten. Und heutzutage sitzen die an richtigen Tischen und fahren sogar Busse..." Sie schüttelt erneut das graue Haupt, der Blick wandert zurück zum Schulmädchen. "Vor fünfzig Jahren hätte es das nicht gegeben. Da wäre der Fahrer weiß gewesen..." Das `weiß´ klingt wie `sauber´. "...und da hätte ein Gör wie du Platz für eine alte Frau wie mich gemacht."

Nächste Haltestelle.

"Bis morgen, Stella, grüß deine Mutter von mir." sagt der Busfahrer.
"Klar, wir sehen uns morgen!"
Das Mädchen nimmt die Sonnebrille ab und ihr Blick scheint, obgleich trüb, für Sekunden auf dem Gesicht der alten Frau zu ruhen.
"Und Ihnen wünsche ich noch einen angenehmen Tag auf dem Behindertenplatz. Sie haben ihn sich verdient."

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