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Die Zuhörerin

Die Zuhörerin

„Ich kann einfach nicht mehr so leben. Nicht mit dir, Tara.“

Taras hübsches Gesicht zerspringt in tausend Scherben. Zumindest sieht es so aus. Fassungslosigkeit auf ihren geröteten Wangen, Zorn in den dunklen Augen und Trauer auf den zitternden, rot geschminkten Lippen. Arme Tara. Ich fühle ernsthaft mit ihr, auch wenn mir das, was ihr gerade widerfährt, nie selbst passiert ist. Aber ich habe es oft genug gesehen. Taras Begleiter, ein zwar ebenfalls hübscher, aber überheblich wirkender Mann im Anzug greift kurz nach ihrer Hand. Sie weicht ihm aus, lässt ihre Finger kraftlos aus den seinen fallen. Er tritt zurück und nickt. Gut gemacht, Tara.

„Heißt das, es ist vorbei?“ fragt sie mit zittriger Stimme.

Sie tritt einen weiteren Schritt zurück, berührt beinahe meine Schulter. Ich schüttle innerlich den Kopf. Arme, hübsche Tara. Wie er wohl heißt?

„Jeremias,“ fügt sie gleich daraufhin hinzu, als hätte sie mich gehört. „Jeremias, ist es vorbei?!“

Sie hat den Namen englisch ausgesprochen. Es klingt schön, passt aber irgendwie nicht zu ihm. Ich beginne gerade, mir einen passenden Namen für ihn auszudenken, da dreht die verlassene Tara sich um und läuft fort, so schnell ihre Beine sie tragen. Ich seufze lautlos. Und wieder ist eine Beziehung kaputtgegangen. Der überhebliche Anzug-Jeremias, der eigentlich besser Gustav geheißen hätte, dreht sich zu mir um und betrachtet mich sekundenlang ausdruckslos. Er spürt wohl, dass ich gelauscht habe. Aber es ist mir egal. Dann verschwindet er ebenfalls.

Und ganz unwillkürlich rinnen mir die Tränen über das Gesicht, weil ich so viel Mitleid empfinde für die hübsche Tara und den überheblichen Jeremias und ihre gescheiterte Beziehung. Und ich weine für die Kinder, die sie einmal hätten haben könnten. Für all das, was sie einmal hätten erleben können- gemeinsam. Ich weine für alle Beziehungen, die schon an diesem Platz auseinander gegangen sind, hier, so nah bei mir, so einsam und irgendwie doch wieder nicht einsam. Plötzlich bleibt ein kleiner Junge neben mir stehen. Er betrachtet mich von den Füßen bis zum Haaransatz.

„Sieh mal, Mami. Es sieht aus, als würde sie weinen.“

„Nicht doch Junge, nicht anfassen. Das ist nur eine Statue. Die weinen nicht.“


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