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Bébéblu
 

Auf der Flucht

Auf der Flucht

 

 

Mit unterdrückt rasselndem Atem presste sie sich an einen Mauernvorsprung und hielt nach ihren Verfolgern Ausschau. Für Sekunden schloss sie die Augen, als auch schon die näher kommenden Schritte erklangen. Geräuschvoll schlugen sie auf dem Asphalt auf. Der eine von ihnen, ein großer Blonder mit Turnschuhen und einem Gesicht, das aussah wie zerkaut und wieder ausgespuckt, hatte federnde Schritte. Der andere, ein schwitzender Fetter mit knallrotem Fleischgesicht schnaufte rhythmisch und ließ mit jedem aufkommenden Fuß den Boden erbeben.

 

Trotz zunehmender Erschöpfung und Atemlosigkeit nahm sie vom kühlen Mauernvorsprung Abstand und setzte in geduckter Haltung ihren Weg durch die Gasse fort. Um kein Aufsehen zu erregen hielt sie den Kopf gesenkt und lief nicht, sondern hielt lediglich einen schnellen Gang bei. Die Zahl der ihr entgegenkommenden Menschen nahm ab und wurde bald so gering, dass sie, Fleischgesicht und Blondie die einzigen Personen weit und breit waren. Dies bereitete ihr solche Angst, dass sie doch begann, zu laufen.

Während sie lief, schoss ihr dies und das in den Kopf. Jeder Gedankenblitz war schrecklicher als der vorige. Weshalb sie das Opfer war, eine friedvolle Mutter und Arbeiterin, wollte und konnte sie nicht verstehen. Es musste eine Verwechslung sein, ja, eine Verwechslung war die einzige sinnvolle Erklärung. Blondie und Fleischgesicht mussten Auftragskiller sein, die sie mit einer anderen Person verwechselt hatten!

Keuchend vor Anstrengung lehnte sie sich an die regennasse Gassenwand und hielt nach ihren Verfolgern Ausschau. Das Blut in ihren Ohren rauschte so laut, dass es alle anderen Geräusche, auch womögliche Schritte, überdeckte. Was würden bloß ihre Kinder sagen, wenn sie nicht nach Hause kam? Sie warteten sicher schon, warteten auf das bisschen Brot und Käse, das sie noch schnell zur späten Abendstunde besorgen wollte. Beides hatte sie auf der Flucht verloren. Ihre Kinder würden kein Brot und keinen Käse bekommen an diesem Abend, und schlimmer noch: Auch ihre Mutter würde nicht zurückkommen.

Mit einem Schreckensschrei realisierte sie, dass die Verfolger sie eingeholt hatten. Das schnaufende Fleischgesicht und Blondie, der noch grün hinter den Ohren zu sein schien, versperrten ihr jeden Ausweg. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie zu erklären versuchte, dass das Ganze eine Verwechslung sein musste, denn grau und zierlich wie sie waren noch tausende andere. Fleischgesicht zog einen schwarzen Gegenstand hervor.

„Mit einer Pistole?!“ stotterte Blondie.

„Heute schon.“ Fleischgesicht glühte vor Triumph.

Ein Knall, ein Schmerz, dann wurde alles dunkel und um sie herum verschwand die Welt.

Siegfried fuhr sich mit dem Ärmel über die schweißnasse Stirn. Auf seinem blauen Overall prangte das Wort `Schädlingsbekämpfer´.

„Eine elende Kreatur weniger auf dieser Welt.“

Die tote Ratte blieb am Tatort zurück, einige Meter neben ihr ein Stück Käse, das langsam vom Regen fortgeschwemmt wurde.


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