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Bébéblu
 

HUNDEsicht...

Es ist heiß und der warme Asphalt unter meinen Pfoten scheint regelrecht zu glühen. Wie bin ich nur hierher geraten? Alles ist so trostlos und grau. Ich lege mich an den Straßenrand, suche unter einem vertrockneten Busch nach Schutz und lecke meine wunden Ballen sauber. Langsam kehrt die Erinnerung zurück...

 

Mein Herr und Besitzer hat sich meiner entledigt. Wie ein Stück Müll hat er mich aus dem Auto geworfen. Nicht einmal gebremst hat er. Ich weiß ja, dass ich alt geworden bin. Meine Knochen sind nicht mehr die, die sie mal waren und ich bin auch nicht mehr der Schnellste. Meine Augen sehen nicht mehr alles und ich höre oft nicht, was mein Herr mir sagt. Aber trotzdem habe ich mir doch die größte Mühe gegeben, den Hof zu beschützen! Ich habe nicht gewinselt, wenn es nachts in Strömen regnete und ich keinen Schutz fand, weil meine Kette zu kurz war. Ich bellte nicht, wenn ich in gleißender Sonne Durst hatte und mein Wassertopf seit Stunden leer war. Und ich weinte nicht vor Einsamkeit, wenn mein Herr mich wieder einmal nicht beachtete sondern mich achtlos beiseite drängte, als wäre ich kein Lebewesen sondern ein Stück Inventar. Sogar wenn die Kinder Steine nach mir warfen, blieb ich ruhig. Was, frage ich euch, was habe ich Falsches getan?

 

Denn dann, trotz all meiner Geduld, trotz meines Durchhaltens, trotz der Liebe, die ich immer noch für meinen Herrn, den Menschen, empfand, kam kam ein neuer Hund: ein junger Mischling mit langen Schlappohren und einer läutenden Stimme, ein Jagdhund. Er bellte gleich am ersten Tag alle Menschen an, die unseren Hof betraten. Einige Männer kamen zu Besuch, um ihn anzusehen. Es waren Freunde von meinem Besitzer und ich hatte sie schon oft gesehen. Wenn ihnen langweilig war, warfen sie mit Ästen und leeren Dosen nach mir oder sie benutzten mich, um ihre Zigaretten auszudrücken. Heute jedoch betrachteten sie mich garnicht. Sie standen um den neuen Hund herum und redeten laut. Sie zogen ihn an der Leine umher, prüften seine Zähne und klopften ihm grob auf den Rücken. Ja, so war es mir vor Jahren auch ergangen. Ich sah etwas in den Augen des jungen Hundes aufblitzen, das ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. War es Lebensfreude, war es Glück oder war es die pure Blauäugigkeit, die ihm vortäuschte, sein Leben würde wunderbar werden?

Als wenig später mein Herr über den Hof auf mich zukam, wedelte ich vorsichtig und wollte ihm ergeben die Hände ablecken. Doch er griff nur nach der Kette und zog mich von der Steinmauer weg, an der ich mein Leben lang gewesen war. Ich setzte mich vor ihn und versuchte, in seinen Augen zu lesen, was er vorhatte. Ich traute ihm. Er war schließlich ein Mensch und Menschen sind groß und stark. Mein Besitzer nahm mir die Kette ab und befestigte sie am Hals des Jagdhundes. Nur mein Halsband ließ er mir. Es war so eng, dass es mit den Jahren an meinem Hals festgewachsen war. Meine Haut hatte oft nächtelang geschmerzt und gejuckt, doch ich hatte keinen Laut von mir gegeben, keine Miene verzogen. Ich wollte nicht schwach sein, denn Gott weiß, was mit den Schwachen geschieht. Gemeinsam gingen mein Herr und ich zum Auto. Ich zeigte meine Aufregung nicht, da mein Herr mich nicht für einen dummen Hund halten sollte. Aber innerlich tobte und tanzte mein altes Herz vor Freude und Glück: Jetzt würden wir endlich wieder etwas unternehmen- nur wir beide! Wir würden zum Strand fahren und mit Stöcken spielen, wie früher. Leider hat er das nicht lange mit mir gemacht. Nur, als die Kinder noch klein waren. Heute sind die Kinder groß und werfen mit Steinen nach mir, wenn sie sich langweilen ... Ich sprang trotz meiner schmerzenden Hinterbeine in den Kofferraum. Wir fuhren ziemlich weit. Das Auto stoppte dann so plötzlich, dass ich beinahe umgefallen wäre. Mein Herr stieg aus, kam nach hinten und öffnete den Kofferraum.

,,Raus mit dir!" befahl er.

Als ich es tat, raste ein Wagen so nah an mir vorbei, dass er mich fast überfahren hätte, doch mein Besitzer vergewisserte sich nicht einmal, ob es mir gut ging. Er drehte sich von mir weg, stieg wieder ein und fuhr davon. Ich konnte es nicht fassen. Er musste mich vergessen haben! Ich bellte und bellte und lief ihm hinterher, doch das Auto wurde immer kleiner. Als ich es nicht mehr sehen konnte, setzte ich mich an den Straßenrand und jaulte den Himmel an. Ich dachte, er würde es hören und zurückkommen. Ja, so musste es sein. Er hatte mich doch nur vergessen! Er würde es merken, ja, er würde merken, dass sein Hund fort war. Und dann würde er zurückkommen, mich in seine Arme schließen und zurück nach Hause bringen. So, und nicht anders, würde es sein. Ich saß da und wartete und wartete und wartete. Ich wartete auf ihn und wagte nicht, mich von der Stelle zu rühren.

Doch er kam nicht. So also bin ich hier hier gelandet... Meine Augen fallen zu vor Müdigkeit und Erschöpfung. Ich will doch wachbleiben, damit mein Herr mich sieht, wenn er mich sucht! Ich muss wachbleiben, ich darf nicht schlafen...ich darf nicht einschlafen...

Von einem leisen Winseln werde ich geweckt. Meine Knochen tun weh vom Übernachten auf dem Straßenasphalt. Die Autos rasen an mir vorbei, als wäre ich nicht da. Ich blicke mich um und meine alten Augen erkennen ein kleines Wesen, das auf der anderen Seite der Straße sitzt und bitterlich weint.

"Was ist mit dir, wieso weinst du?" frage ich.

Ängstlich hebt der Welpe den Blick und sieht mich aus großen, dunklen Augen an.

"Weil es so kalt ist." wimmert er.

Sein Fell ist struppig und nass. Man muss ihn ausgesetzt haben. Armer kleiner Welpe. Ich wünsche ihm wirklich, dass jemand Erbarmen mit ihm hat und sich seiner annimmt.

"So kalt ist es garnicht.", widerspreche ich ihm. "Sieh, die Sonne geht schon auf."

Ich wende mich von ihm ab und gehe mit langsamen Schritten davon. Ich kann nicht länger warten. Ich muss meinen Herrn suchen, sicher wartet er schon auf mich!

"Warte!", ruft der Welpe hinter mir her. "Wohin gehst du?"

"Ich suche meinen Herrn." antworte ich knapp.

Der Welpe wedelt vorsichtig mit dem Schwanz und duckt sich.

"Darf ich dich begleiten?" fragt er leise.

Wieder fährt ein Auto an uns vorbei. 

"Das darfst du.", sage ich. "Aber es ist ein weiter Weg." 

"Ich bin groß!" versichert der Kleine und läuft auf tapsigen Pfoten neben mir her. 

Seinen Kopf trägt er vor Stolz hoch in der Luft.
 Wir gehen schweigend die Straße entlang und spüren, wie die Kälte schwindet und die Sonne auf unser Fell scheint. Der Welpe wird übermütig.

"Ich heiße Kuddl, und du?" fragt er und hüpft dabei einer Heuschrecke nach.

Ich blicke mich um, damit kein Auto heranrast.

"Ich wurde niemals gerufen, deshalb habe ich keinen Namen.", sage ich. "Kuddl, wer hat dich denn so genannt?"

"Meine Mutter.", erklärt der Kleine und tobt von der einen Straßenseite auf die andere. "Wir waren neun Geschwister. Aber ich war ihr Liebstes, das weiß ich ganz genau." 

Ein Auto fährt mit quietschenden Reifen direkt auf den Welpen zu. Ich erschrecke und laufe zu ihm hinüber. Weshalb hält das mechanische Monstrum nicht an? Ein leises Winseln höre ich noch, dann wird mir ganz schwarz vor Augen.

Jemand hält mir eine Schale mit Wasser vor die Nase und ich trinke gierig. Der Welpe sieht mich mit großen Augen an, doch er sagt nichts. Die Menschin, die neben mir hockt, streichelt sein Fell und lässt mich trinken, bis ich keinen Durst mehr habe.

"Wie kann man nur so böse sein?", fragt sie traurig. "Und mit Absicht einen Hund überfahren?"

Ich lecke beschwichtigend ihre Hand ab. Sie ist ein guter Mensch, das spüre ich. Sie wird uns helfen. Vielleicht weiß sie, wo mein Herr ist.

"Kennst du meinen Besitzer?" frage ich sie freundlich.

Sie scheint mich garnicht zu hören. Ich will aufstehen, doch meine Beine tun nicht das, was ich möchte. Sie sind klebrig und warm und schwer, so unheimlich schwer.

"Bleib ganz ruhig liegen.", verlangt die Menschin. "Ich bringe euch beide jetzt an einen sicheren Ort. Niemand wird dir mehr wehtun, alter Hund. Das verspreche ich dir."

Als ich wieder einschlafe, weckt mich ein anderer Mensch auf. Er riecht fremd, nach Angst und nach vielen, vielen anderen Tieren. Ich weiß nicht, ob man ihm trauen kann. Doch neben mir steht die Menschin, die uns gefunden hat. Sie spricht beruhigend auf mich ein. Der Welpe auf ihrem Arm hat sich zusammengerollt und schläft erschöpft.

"Ich habe dir etwas versprochen, alter Hund.", flüstert sie. "Dass dir niemand mehr wehtun wird." 

Der andere Mensch nickt zustimmend. 

"Ihm würde nichts mehr helfen können.", sagt er. "Es ist ein Glück, dass Sie ihn gefunden haben, ansonsten hätte er sich nur noch lange gequält."

Die Nadel spüre ich kaum. Dann wird alles um mich herum weich und warm. Endlich.

Bevor ich gehe, muss ich noch einmal den Welpen besuchen. Ganz ohne Schmerzen finde ich den Weg. Meine Augen sind nicht mehr trüb, meine Knochen wieder jung und belastbar. Die Menschin und der Welpe sitzen andächtig vor einem kleinen Holzkreuz.

"Er war bestimmt ein guter Hund.", sagt sie und streichelt den Kleinen. "Er hat dir das Leben gerettet, weißt du das? Durch ihn habe ich den besten, kleinen Freund der ganzen Welt bekommen: Dich. Danke, alter Hund!"

Der Welpe beisst spielerisch in ihr Hosenbein. Sie lacht. Auf dem letzten Weg weiß ich jetzt, dass es etwas gab, wofür mein Leben sich gelohnt hat. Ich vergebe dir, mein Herr, denn ich bin ein Tier. Und Tiere kennen keinen Hass.


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